Feuer mit Feuer bekämpfen - dies zieht  zurzeit Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) in Betracht. Am Mittwoch schlug er aus heiterem Himmel vor, das Abbrennen von Pyrotechnik in Fußballstadien zu erlauben, jedoch nur unter strengen Auflagen. So möchte er gegen problematische Fans vorgehen. Sein Vorschlag stößt bei vielen auf Ablehnung, Pistorius selbst auf Verständnislosigkeit.

Anstatt eine Strategie der Deeskalation einzuleiten, möchte Pistorius scheinbar das Gegenteil tun: Pyrotechnik in Stadien zulassen. Wie kommt er eigentlich dazu?

Boris Pistorius  hat die Einsicht, dass es den Vereinen seit 30 Jahren nicht gelingt, das Hineinschmuggeln von Feuerwerkskörpern durch wirksame Kontrollen zu verhindern. „Wir haben immer wieder Pyrotechnik im Stadion, Bengalos, Raketen, Polen-Böller – gerade letztere sind sehr gefährlich“, so Pistorius, der hinzu fügt, dass es einigen Ultras und Fangruppierungen offensichtlich  vorrangig um die Pyrotechnik gehe, „ … weil sie das für einen Teil der Fußballkultur halten. Anderen geht es darum, sich zu positionieren gegen Verein oder Verband.“ Ihm sei dies völlig fremd!

Sicherer wäre es, so der Minister, wenn die Einfuhr von Pyrotechnik kontrolliert passiere, durch  „Leute, die wir namentlich kennen und von denen wir wissen, was sie mit reinbringen.“  Es hat schon einmal einen ähnlichen Vorstoß gegeben und vielleicht wäre es einen erneuten Versuch wert, so  der Innenminister zuversichtlich.

In Sachen Kontrolle hofft Pistorius auf die Hilfe der Ultra-Gruppierungen. Regeln und Absprachen, die man träfe, müssten dann aber auch einhalten werden. „Dass sie organisiert sind, das beweisen sie immer wieder, wenn es um Choreographien, Gesänge, Demonstrationen, Auswärtsfahrten usw.  geht.“ Folglich traut Pistorius ihnen zu, ihre Organisationsfähigkeit auch beim Einsatz von Pyrotechnik unter Beweis zu stellen!

Pistorius möchte diesen Versuch wagen, um unbedingt mehr Sicherheit ins Stadion zu bringen. Er beschreibt die aktuelle Situation als „unkontrolliert“ und „völlig gefährlich“. Bei Verstößen gegen die Vereinbarung sollte es jedoch umgehend wieder zu einem völligen Verbot der Pyrotechnik kommen.  „Die Ultra-Gruppierungen müssen zeigen, dass es ihnen um Fußball geht und nicht nur um ihre Macht im Stadion.“

Die Bedenken anderer Landesinnenminister und der Polizei kann er gut nachvollziehen, aber er will einen Denkanstoß geben und damit zu einer neuen Diskussion des Problems beitragen. Selbstverständlich könne er nicht alleine darüber entscheiden.  Auch die Vereine müssen darüber diskutieren, denn sie haben das Hausrecht. Um eine neue Debatte kommen also alle Beteiligten nicht herum, denn „… einfach so weiterzumachen hilft ja nicht!“, so Pistorius.

Bircan Sahin

 

Der Beitrag entstand mithilfe von Frau Natalie Deseke von der Landesinitiative n21 im Kontext der Berichterstattung zum Augustplenum im Niedersächsischen Landtag (Schulen in Niedersachsen online e.V., alle Artikel unter: www.online-redaktionen.de)

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