Foto: Thomas Vogel

 

Zeitzeugin Ruth Weiß berichtet über ihre Erfahrungen

 In der neunten und zehnten Klasse behandeln wir im Geselle Unterricht alle das Thema Zweiter Weltkrieg. Klar ist jedoch: Etwas in Schulbüchern nachzulesen ist lange nicht das Selbe, wie dieselben Informationen von jemandem zu erfahren, der in diesen Momenten dabei war. Das Problem bei der Sache ist: Fast 85 Jahre sind seit dem Zweiten Weltkrieg vergangen – viele der Personen, die den Krieg überlebten, sind bereits in hohem Alter verstorben. Daher ist es ein großes Glück und eine Ehre, dass eine der verbliebenen Zeitzeugen dazu bereit ist, durch verschiedene Schulen zu gehen und den Schülern ihre Geschichte zu erzählen.

Ruth Weiß ist 93 Jahre alt. Sie wurde 1924 als Kind jüdischer Eltern in Fürth, nahe Nürnberg, geboren. Mit gerade einmal zwölf Jahren musste ihre Familie Deutschland verlassen und sich nach Südafrika flüchten. Dort setzte Ruth Weiß sich mithilfe ihrer Schreibmaschine stark gegen die Apartheid und den Antisemitismus ein.

Sie widmete ihr Leben dem Journalismus und dem Schreiben. Ihre Erlebnisse während des zweiten Weltkriegs hielt sie in diversen Büchern fest. Ihre Autobiografie erschien 1995 und ihr vielleicht bekanntester Roman „Meine Schwester Sara“ war 2007/2008 Pflichtlektüre an deutschen Gymnasien und ist auch für das Schuljahr 2017/2018 als Lektüre geplant.

Ein paar Ausschnitte aus ihrem erstgenannten Buch konnten sich die Schüler des zehnten Jahrgangs am 17. Oktober anhören. Frau Weiß besuchte unsere Schule und teilte ihre Erfahrungen mit den Schülern. Bei der Lesung, die eine Doppelstunde dauerte, berichtete sie von ihrer Kindheit in Deutschland und von der Ausreise nach Südafrika. Gerne hätten die Zehntklässler noch mehr erfahren, doch allein diese vergleichsweise wenigen Jahre ihres Lebens sind so spannend und ereignisreich, dass einige Schüler sofort Fragen an Frau Weiß hatten, somit konnte leider nicht alles erzählt werden. Doch die Zuhörer konnten sich in etwa vorstellen, wie schlimm die Situation damals war und wie hart die Zeit für Ruth Weiß und insgesamt alle Juden oder auch Dunkelhäutige gewesen sein muss.

In Bayern wurde eine Realschule nach Ruth Weiß benannt und im Jahr 2005 wurde sie für ihre Leistungen sogar für den Nobelpreis nominiert.

„Es war beeindruckend“, sagte Frau Hafferkamp, die als Deutschlehrerin bei der Lesung dabei war, „Und das Beste ist, dass man merkt, dass Frau Weiß eine echte Kämpferin ist.“

Bestimmt wird diese Doppelstunde sowohl Schülern, als auch Lehrern lange in Erinnerung bleiben und bei den folgenden Unterrichtsstunden gut weiterhelfen, sich in die damalige Zeit zurückzuversetzen.

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