(Foto: Pastor Schmidt)

Peter-Christian Schmidt ist der Pastor der Kirchengemeinde Altgarbsen. Im Interview mit Pauline aus dem 12. Jahrgang verrät er, wie er die Krisensituation wahrgenommen hat und damit umgeht.

1. Wie stehen Sie zu der Kirchenöffnung? Meinen Sie, es ist der richtige Zeitpunkt, um die Kirchen auch im Kirchengebäude wieder erreichbar zu machen? Oder hätten Sie damit noch länger warten wollen?

Ich bin sehr froh, dass ich das nicht entscheiden musste, denn die Frage ist sehr komplex. Als Pastor kann ich mich also darauf berufen, was die Kirchenleitung mir sagt. Ob die Entscheidung der Leitung richtig war, wird sich zeigen. Auf der einen Seite ist es schön, wieder Gottesdienste zu feiern, auf der anderen sieht man an den Fällen in Frankfurt und Cuxhaven, dass das auch nach hinten losgehen kann. Ganz persönlich hätte ich noch gewartet, aber wie gesagt, ich bin froh, dass ich diese Entscheidung nicht treffen musste.

2. Wie haben Sie als Pastor die Kirche in der Krisenzeit erfahren und wie haben Sie Ihre Kirchendienste ausgeübt?

Da kann ich nur für Garbsen sprechen. Hier habe ich bemerkt, dass die Menschen enger zusammengerückt sind. Ich habe viel am Telefon mit den Leuten gesprochen, habe Postkarten geschrieben und wir haben vor der Kirche einen Marktplatz aufgebaut, wo es Klopapier, Spiele und Masken gab und immer noch gibt. Inzwischen kann man da auch faire Lebensmittel und Pflanzen kaufen. 

 

3. Haben Sie die Krisenzeit verbunden mit der Kirchenschließung als Einschränkung betrachtet, oder sehen Sie in dieser Krise auch Chancen für die Kirche? (Zum Beispiel durch die Digitalisierung und Modernisierung durch Online-Gottesdienste) 

Puh, schwere Frage. Gottesdienste leben immer von der persönlichen Begegnung. Das gilt auch für Beerdigungen. Digitale Angebote sind zwar gut, aber für mich eher ein Hilfsmittel. Was nicht heißen soll, dass wir damit nach der Krise damit aufhören sollen. Kirche wird für mich aber auch weiterhin besonders in der Begegnung von Menschen stattfinden. Das wir keine Gottesdienste feiern konnten, war für mich zwar eine Einschränkung, aber wir alle haben Einschränkungen hinnehmen müssen, von daher ging das.

 

4. Seit einigen Wochen findet in den Medien eine Debatte zur Wiederaufnahme von Gottesdiensten im Kirchengebäude statt. Einige sind der Meinung, dass solidarisch auf Gottesdienste verzichtet werden sollte. Andere sind der Meinung, dass der Glaube und die Hoffnung, die im Gottesdienst und in der Kirche vertieft werden, gerade in der jetzigen Zeit besonders wichtig sind, sodass die Wiederaufnahme als positiv betrachtet wird. Wo würden Sie sich in dieser Debatte positionieren? 

 In der Mitte. Ich habe gemerkt, wie wichtig der Besuch für einige Menschen ist, allerdings sollte die Gesundheit über Allem stehen. Von daher bin ich der Meinung, dass Gottesdienste nur da und nur dann gefeiert werden sollten, wo sichergestellt werden kann, dass die Hygienestandards eingehalten werden können. Ob diese Standards sinnvoll sind, kann ich nicht beurteilen.

 

5. Haben Sie Sorge, dass die neuen Verhältnisse in Kirchen (mit weniger Besuchern etc.) zur Normalität werden und auch nach der Krise bestehen bleiben?

 Nein, ich glaube daran, dass wir aus der Krise lernen werden und Dinge anders machen werden (vielleicht Masken beim Einkaufen oder auch bewusster Händewaschen), aber wir werden irgendwann großteils zu unserer Normalität zurückkehren können.

 

6. Was würden Sie denjenigen, die sich wegen einer Angehörigkeit der Risikogruppe nicht trauen in die Kirche zu gehen mit auf den Weg geben?

 Unbedingt zuhause bleiben. Es gibt gute Angebote wie Telefongottesdienste oder Onlinegottesdienste. Zudem gibt es ja auch Fernseh- und Radiogottesdienste. Außerdem stehen wir Pastoren per Telefon oder draußen für Seelsorge zur Verfügung.

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